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Italien hat sich aus der Rezession befreit

von Florian R.
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Vittorio Emanuele II Monume

Die Wirtschaft in Italien ist im ersten Quartal wieder um 0,2 Prozent gewachsen, teilte das staatliche Statistikamt Istat am Dienstag mit. Dagegen liegt die Verschuldung bei über 131 Prozent. Italiens Bruttoinlandsprodukt ist von Januar bis März 2019 im Vergleich zum vierten Quartal 2018 um 0,2 Prozent zum Vorquartal gewachen. Eine Rezession bedeutet, dass mindestens zwei Quartale in Folge im Minus sind.

In den beiden Vorquartalen hatte es jeweils einen Rückgang um 0,1 Prozent gegeben. Deswegen sind Experten von einem Plus von lediglich 0,1 Prozent ausgegangen.

Chronisch schwaches Wachstum

Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft Europas und liegt damit weiter hinter anderen Ländern. Im ersten Quartal gab es in der Währungsunion ein Wachstum von 0,4 Prozent, das doppelt so hoch war. Die Regierung in Rom erwartet im Jahr 2019 bezüglich des Wachstums nur einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 0,2 Prozent.

Italiens Schuldenberg

Italiens Verschuldung ist neben des schwachen Wachstums problematisch. Das Land muss einen Schuldenberg von mehr als 131 Prozent der Wirtschaftsleistung stemmen. Nach Griechenland ist das der höchste Schuldenbetrag in der Eurozone. Finanzanalysten sagen voraus, dass die Schuldenquote in Italien in den nächsten zehn Jahren stetig steigen wird. Das Land wird nicht genug Wachstum erreichen, um das zu verhindern. Es gab lediglich einen jährlichen Durchschnittswachstum von 0,4 Prozent in den letzten zehn Jahren. Gleichzeitig ist die arbeitsfähige Bevölkerung auch um 0,4 Prozent angestiegen und ist für den, wenn auch geringen, Zuwachs verantwortlich. Für die nächsten zehn Jahre sagen die Analysten eine Abnahme der arbeitsfähigen Menschen Italiens vorher. Ihrer Prognose nach wird der Schuldenberg dieses Landes bis auf mehr als 145 Prozent der Wirtschaftsleistung wachsen. Wozu das führen könnte, kann man sich nur ausmalen.

Abstufung durch große Ratingagenturen droht

Es kann große Auswirkungen geben, auch dann, wenn die Schulden nur gering zunehmen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor einer Gefahr, die von Italien ausgehen könnte, gewarnt.
Wenn das Risiko wächst, könnten große Ratingagenturen die italienische Verschuldung eine weitere Stufe abwerten. In dem Fall werden Italiens Schuldpapiere als Junk-Bonds, also Müll-Anleihen, oder unsichere Geldanlagen, angesehen.

„Risikoflucht“ möglich

Die Folgen dieser Abwertung wären katastrophal. Es gibt in vielen Ländern Gesetze, die Institutionen den Kauf solcher Schuldverschreibungen verbieten. Darüber hinaus müssen sie Italiens alte Kreditscheine sofort verkaufen und dürfen sie nicht behalten. Es kann laut dem IWF passieren, dass so auch in anderen Ländern allmählich eine „Risikoflucht“ entsteht. Das könnte dazu führen, dass für weitere, hoch verschuldete Länder ein Abstieg unvermeidbar wird.
Es gibt erste Anzeichen für die Abstufung. Der „Spread“ ist letzte Woche auf 280 Punkte anstiegen. Das ist der Zinsaufschlag von risikobehafteten Schuldnern, deren Anleihen ihre Anleger noch kaufen können. So muss Italien um 2,8 Prozentpunkte höhere Zinsen für Kredite zahlen als Deutschland.

Wirtschaftsprojekte blockiert

Italiens Regierung stoppt gerade zahlreiche, große Wirtschaftsprojekte, wie die Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnstrecke, die von Turin nach Lyon führen sollte. Der zweitgrößte Handelspartner Frankreich sollte so besser mit dem industriellen Norden Italiens verbunden werden. Die Regierung hat das 15-Milliarden-Euro-Projekt, das zahlreiche Arbeitsplätze schaffen sollte, gestoppt.

Teurer, neuer Kurs der populistischen Regierung

Das einzige Land, das in die Rezession rutschte, war Italien. Volkswirte gehen davon aus, dass sich die Politik der populistischen Regierungskoalition, sowie das schwächere Wachstum der Weltwirtschaft negative Auswirkungen hatten. Die Regierungskoalition plante neue Sozialleistungen und eine teure Rentenreform. Der Wachstum soll durch höhere Sozialausgaben und die Senkung von Steuern angekurbelt und höhere Schulden in Kauf genommen werden. Das hat Italiens Regierung, die seit Mitte 2018 amtiert, beschlossen.

Vize-Regierungschef der populistischen Regierung Vize-Regierungschef Luigi Di Maio sieht die Richtung, die die Regierung eingeschlagen hat, als richtig an, was sich in der überwundenen Rezession widerspiegelt. Seiner Meinung nach könne nur so ein Wandel bewirkt werden.

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